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Eine Kita, drei zufriedene Nutzer



Auf dem Gelände des Paul-Ehrlich-Institutes in Langen (Hessen) entstand der Neubau einer 6-zügigen Betriebskindertagesstätte, die gemeinsam vom Institut, der Stadt Langen und der Deutschen Flugsicherung (DFS) genutzt wird. Ein gelungenes Beispiel für eine intelligente Verbesserung der Kinder­be­treu­ung. ALHO sprach mit Marita Scheer-Schneider vom Magistrat der Stadt Langen und Architekt Helmut K. Stoffers, verantwortlich für Planung und Bau des neuen Betriebskindergartens.


Frau Scheer-Schneider, wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Zwischen der DFS und der Stadt Langen gibt es bereits seit vielen Jahren eine enge Zusammenarbeit, da die DFS bereits seit 2001 in einer städtischen Kindertagesstätte 10 Belegplätze für 3-6jährige Kinder hat. Diese Plätze reichten nicht mehr aus, hinzu wurde verstärkt Bedarf an Plätzen auch für Kinder unter 3 Jahren signalisiert. Da auch das Paul-Ehrlich-Institut Interesse an Belegplätzen bekundete, wurde in ge­mein­samen Gesprächen beschlossen, eine neue Betriebskita zu bauen, in der 2/3 der Plätze für Kinder der Mitarbeiterschaft der Firmen zur Verfügung gestellt werden. Eine Betriebskita hat Vorteile für alle Beteiligten: Die Kosten werden auf mehrere Schultern verteilt, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird unterstützt, dem Fach­kräfte­mangel wird durch langfristige Bindung an die Unternehmen ent­gegen­ge­wirkt und die Unternehmen werden am Standort gehalten, d.h. insgesamt gesehen ist der volks­wirt­schaft­liche Nutzen gerade bei einer Betriebskindertagestätte sehr groß.

Ergaben sich aus der Dreifachnutzung besondere Anforderungen, die die Kita erfüllen muss, Frau Scheer-Schneider?

Zwar gibt es sozusagen 3 "Beleger", aber betrieben wird die Kindertagesstätte nur durch die Stadt. Aus der Dreifachnutzung als solches ergeben sich keine besonderen Anforderungen, sondern aus der Tatsache, dass bei einer Betriebskita beispielsweise längere Öffnungszeiten notwendig sind oder dass bei einer Einrichtung für Kinder ab einem Jahr ganz andere Anforderungen an die räumlichen Rahmenbedingungen (Fußbodenheizung, altersgemäß unter­schied­liche Ausstattung im Sanitärbereich, Schlafräume u.s.w.) gestellt werden.

Herr Stoffers, welchen Anforderungen muss das Gebäude genügen und wie schätzen Sie als Architekt diesbezüglich die Qualität des Modulbaus ein?

Das Baugrundstück ist auf drei Seiten von unterschiedlichen, eher technisch gestalteten Gebäuden der Deutschen Flugsicherung und des Paul-Ehrlich-Institutes umgeben. So galt es, das Augenmerk einerseits auf eine Einbindung in diese Nachbarschaft zu richten, anderseits aber ein eigenständiges Bauwerk zu schaffen, das für Kinder und Eltern als Betreuungseinrichtung erkennbar ist.Hier erleichterte die Stahlkonstruktion des Modulbaus unterschiedliche Beplankungen: Während die Fassaden der rückwärtigen Funktionsräume in Anlehnung an die umliegende Bebauung mit einer Alu-Welle verkleidet ist, haben die zu den Terrassen- und Spielflächen ausgerichteten Putzflächen des WDVS einen farbigen Anstrich erhalten, der aus einem mit dem Bauherrn und den Nutzern abgestimmtem Farbkonzept resultiert.Zum Thema Brandschutz: Alle Aufenthaltsräume haben durch die unmittelbar ins Freie führenden Fenstertüren einen geregelten Fluchtweg. Damit brauchen die Flure nicht von Brandlasten freigehalten werden, was im Alltag von Kindergärten eine schwer zu erfüllende Maßnahme wäre. Durch die Standardausführung der Modulbauteile sind die Brand­schutz­anforder­ungen ohne zusätzliche Maßnahmen eingehalten.

Welche technischen und architektonischen Besonderheiten (Umweltschutz, energetisches Konzept, Raumkonzept, Umsetzung pädagogischer Konzepte, etc.) möchten Sie gerne herausstellen Herr Stoffers? Was sind die Highlights des Gebäudes?

Im Vorfeld der beschränkten öffentlichen Ausschreibung war ein Gebäude gefordert, das nach Ablauf von sechs Jahren vom jetzigen Grundstück an einen anderen Standort transloziert werden kann. Gleichwohl musste das Gebäude gemäß Bauordnung nach den energetischen Vorgaben der EnEV errichtet werden. Dies war mit den aufgebrachten Dämmstärken im Bereich Bodenplatten, Wände und Dach ohne Probleme zu bewerkstelligen.Da der Modulbau systembedingt nur über eine geringe Speichermasse verfügt, wurde das Flachdach zusätzlich mit einer extensiven Begrünung ausgestattet, um im Sommer eine Überhitzung zu vermeiden. Im Winter erzeugt die in den massiven Estrich eingebaute Fußbodenheizung besonders für die krabbelnden Kleinkinder eine behagliche Wärme, die von der Perimeterdämmung unter der Bodenplatte unterstützt wird.

Das architektonische und pädagogische Konzept des Entwurfs konzentriert sich auf zwei Punkte:

1. Der Übergang zwischen Innenräumen und Außenbereich sollte barrierefrei und einfach sein. Dazu besteht aus jedem Raum ein unmittelbarer Zugang auf die zum Wald hin orientierten Terrassen, die sich als Band entlang der kompletten Ausdehnung des Gebäudes erstrecken. Sie sind als Erweiterung der inneren Spielflächen und als Übergang zu den Außenspielflächen angelegt. Von hier erfolgt auch die großflächige Belichtung. Da die Be­treu­ungs­räume der Kinder nach Nordwesten ausgerichtet sind, wird die sommerliche Überhitzung und Blendung vermieden.
2. Die Funktionsräume wie Küche, Lager, Personal- und Sanitärräume sind zu den Betriebsstraßen des benachbarten Paul-Ehrlich-Institutes orientiert. Die zwischen den Betreuungs- und den Funktionsräumen liegende interne Erschließungsfläche wurde so großflächig gestaltet, dass eine groß­zügige, 50 m lange und bis zu 5 m breite, gegliederte Spielzone entsteht, die neben der Aufstellung von Spielgeräten auch Stuhl- und Singkreise ermöglicht. Bei heller Witterung, insbesondere bei Sonnenschein, wird dieser Bereich durch die neun Lichtkamine im Dach mit so viel Tageslicht versehen, dass auf eine künstliche Beleuchtung verzichtet werden kann. Dabei bleiben die Hellig­keits­unter­schiede im Laufe des Tages trotzdem noch erlebbar.Die Wände und Linoleumböden der Innenräume sind in einen harmonischen Farbkanon eingebettet, der aus den unterschiedlichen Raumnutzungen resultiert und die Ruhe- oder Aktivitätszonen berücksichtigt.

Herr Stoffers, bitte geben Sie uns abschließend ein kurzes Statement zur Zusammenarbeit mit ALHO - was hat Ihnen daran gut gefallen?

Die Zusammenarbeit mit ALHO war konstruktiv und zielführend, da nach Erreichen der Planungssicherheit von Anfang an ein klarer Zeitplan vorgegeben wurde. So war es möglich, dass die Kindertagesstätte nach 10 Wochen Bauzeit, gerechnet ab Fertigstellung der Fundamentarbeiten, den Betrieb aufnehmen konnte. Hier wurden die Vorteile der Modulbauweise besonders augenfällig, weil keine weiteren Trock­nungs­zeiten anfielen. Da ALHO insbesondere im Bereich der Gebäudetechnik auf langjährige Vertragspartner setzt, war die so wichtige intensive Betreuung der technischen Gewerke gegeben. Die gute Kommunikation zwischen der ALHO Projekt- und Bauleitung und dem vom Bauherrn mit der Ge­samt­plan­ung und Oberbauleitung beauftragten Architekten garantierte bei den regelmäßigen Baustellenterminen einen flüssigen Bau­ab­lauf. Anstehende Probleme wurden in ruhiger und konstruktiver Atmosphäre in gegen­seitigem Einvernehmen gelöst.Auch individuelle Bauherrnwünsche, wie das große Planschbecken im Bad oder die Abhängekonstruktion für die Decken­schaukeln im MZR, konnten im Gesamtauftrag realisiert werden. Dabei war die Einhaltung des Kostenrahmens immer im Blick.