Nachhaltige Industrie-Architektur: Hauptquartier für Team „Esch2022“

29. März 2021

Die Europäische Kulturhauptstadt 2022 ist eigentlich eine ganze Region: Neben der zweitgrößten Luxemburger Stadt Esch sind zehn weitere umliegende Luxemburger Gemeinden sowie acht französische Gemeinden der Kommunalverwaltung in Audun-le-Tiche mit im Boot. Der Startschuss für Esch2022 fällt am 22. Februar 2022. Geplant sind rund 140 Projekte, welche die gesellschaftliche und kulturelle Vielfalt der vom Erzbergbau geprägten Region vorstellten. Es gibt also einiges zu organisieren für das Team „Esch2022“. Optimale Bedingungen dafür bietet das neue Verwaltungsgebäude von Esch2022 – gebaut von ALHO.

Die «Minette-Region» verdankt ihren Namen einem speziellen Eisenerz und erstreckt sich von äußersten Südwesten Luxemburgs bis nach Frankreich. Die Eisen- und Stahlindustrie mit ihren Hochöfen und Zechen prägte lange Zeit das Landschaftsbild und zog bereits früh Arbeitskräfte aus den Nachbarländern Belgien, Frankreich und Deutschland, aber auch aus Italien an. Heute leben Menschen aus 120 Nationen in der Region rund um die Universitätsstadt Esch und gestalten den Wandel von der Stahlindustrie ins digitale Zeitalter mit. Ein Paradebeispiel für den europäischen Gedanken von Immigration und das Zusammenleben verschiedener Kulturen – und Grund genug für die Auszeichnung Eschs als Europäische Kulturhauptstadt 2022.

Mit ihrem „Remix Culture“-Programm will Esch2022 sowohl die Vielfalt feiern und Visionen vom grenzenlosen Europa entwerfen, als auch die eigene Historie reflektieren und die lokale Identität stärken. „Mit Esch2022 wollen wir die Geschichte unserer Region von der Stahlindustrie bis ins digitale Zeitalter erzählen“, sagt Françoise Poos, die Direktorin für das Kulturprogramm.

 

Ein Turm aus Stahl

Der Stadtteil Esch-Belval, am Fuße von Hochöfen, ist ein Mix aus Büro- und forschungsnahen Gewerbeflächen, Handels- und Freizeiteinrichtungen sowie privatem Wohnraum. Auch die Universität ist hier angesiedelt. Der ideale Standort also für das Hauptquartier des Teams „Esch2022“, das von ALHO im Auftrag des Fonds Belval in kurzer Zeit realisiert wurde.

Das Gebäude greift konzeptionell und architektonisch die Tradition der durch die Stahlindustrie geprägten Landschaft auf. Insgesamt 40 Stahlmodule wurden in drei Blöcken zu einem Gebäude zusammengefügt.

Block 1 ist viergeschossiges ausgebildet. Im Erdgeschoss befindet sich der Eingangsbereich mit dem Empfang, sowie Technik- und Lagerräume. Das erste und zweite Obergeschoss bietet Platz für vier Einzelbüros und Besprechungsräume. Neben einem weiteren Besprechungsraum ist der Sanitärbereich im dritten Obergeschoss untergebracht. Ein Highlight ist die Dachterrasse mit einzigartigem Blick auf die ehemaligen Industrieanlagen und Hochöfen von Esch.

Der Gebäudeblock 3 ist mit Versatz zu Block 1 angeordnet und um 90 Grad gedreht. Er besteht aus insgesamt sieben Vollgeschossen – ein Novum für ALHO und eine konstruktive Herausforderung, die mit der Tragkraft von insgesamt 150 t Stahl, die im gesamten Gebäude verbaut sind, gemeistert wurde.

Ein großer Konferenzraum mit angeschlossenem Sanitärbereich bildet das Erdgeschoss. Auf den Ebenen zwei bis vier, sechs und sieben befinden sich Großraumbüros mit jeweils sechs Arbeitsplätzen. Ein Aufenthaltsraum für das Team mit Küchenzeile wurde im fünften Obergeschoss untergebracht.

Block 2 verbindet die beiden Gebäudeteile als Verteilungskern miteinander. Hierbei handelt es sich um einen offenen Treppenturm inklusive Aufzuganlage, der den Zugang zu allen Ebenen und den Übergang auf den Ebenen eins bis vier ermöglicht. Die Fassadenverkleidung - ein Geflecht aus rostfreiem Edelstahl - verleiht dem Treppenturm ein futuristisches Industriedesign.

 

Fassade als Energielieferant

Die Fassade der Nord-, Ost- und Westseite der Gebäudeblöcke 1 und 3 besteht aus roten Alu-Paneelen, in die in den Obergeschossen insgesamt 25 Rundfenster mit jeweils einem Durchmesser von 1,75 m eingelassen wurden.

An der Südseite sind insgesamt 92 farbige Solarpanels in Grau und Rot angebracht. Zusammen mit den 16 Solarpanels, die auf dem Dach installiert wurden, produziert die Fassade ca. 17.500 kW/h Strom pro Jahr. Bei einem geschätzten elektrischen Energiebedarf pro Jahr von 40.000 kW/h werden so voraussichtlich ca. 40% des Elektroverbrauchs über die Panels in Fassade und Dach gedeckt. Bezogen auf den Gesamtenergieverbrauch des Gebäudes - Strom, Heizung, Kühlung – kann ein Deckungsgrad von ca. 20% erreicht werden.

Darüber hinaus ist das Gebäude an das örtliche Fernwärmenetz angeschlossen. Smarte Gebäudetechnik steuert die Heizung, Kühlung und Lüftung im Gebäude sowie den natürlichen Lichteinfall ins Gebäude und sorgt so für ein wohngesundes Klima und hohen Komfort - und spart zusätzlich Energie und Kosten.

 

Gebäudekonzept im Sinne der Circular Economy

Welche Gebäudelösungen gibt es, die nur für eine begrenzte Zeit benötigt werden, wie beispielsweise für die Organisation der Veranstaltungen im Rahmen der Kulturhauptstadt Esch 2022? Auf diese Frage des Bauherrn hatte ALHO mit seinem Gebäudekonzept exakt die passende Antwort.

Die ALHO Stahlmodulbauweise entspricht dem Prinzip der „Circular Economy“. Damit bezeichnet man eine Kreislaufwirtschaft, die ein regeneratives System darstellt, in dem Ressourceneinsatz und Abfallproduktion, Emissionen und Energieverschwendung durch das Verlangsamen, Verringern und Schließen von Energie- und Materialkreisläufen minimiert werden. Entscheidende Faktoren in Bezug auf ein Gebäude sind eine langlebige Konstruktion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Wiederaufbereitung, Renovierung und Recycling.

Eine Besonderheit der Stahlmodulgebäude ist es, dass man sie rückstandlos zurückbauen kann, indem sie wieder in die einzelnen Module zerlegt werden. Diese können dann wiederaufbereitet und als „mobile Immobilie“ an einem anderen Ort erneut zusammengefügt werden. Insbesondere die langlebige Grundkonstruktion aus Stahl macht es möglich, dass ALHO Modulgebäude so ein zweites Leben erhalten – oder ein drittes, viertes…

Das Recycling der Module ist erst das Mittel letzter Wahl. Sollte das Modulgebäude nicht mehr benötigt werden, lässt es sich komplett zurückbauen und anschließend im Werk sortenrein in seine Wertstoffe zerlegen. So können alle Materialien zu ca. 90 Prozent recycelt und dem Wertstoffkreislauf wieder zugeführt werden.

Fotos: Le Fond Belval

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