Interview mit Nina Bendler, KZA

Wir nennen es gerne „Individualität in Serie“

11. November 2017

Immer mehr Architekturbüros befassen sich mit seriellem Wohnungsbau. So auch Koschany + Zimmer Architekten KZA aus Essen. Für VONOVIA, der größten deutschen Wohnungsbaugesellschaft, konzipierte und realisierte KZA mit ALHO ein Projekt in Stahlmodulbauweise. Nina Bendler, Architektin, Direktorin und Prokuristin bei KZA beantwortet Fragen zur Bauweise und zur Zusammenarbeit mit ALHO. Koschany Zimmer Architekten stehen dem seriellen Bauen gerade im Bereich Wohnungsbau/Nachverdichtung in den Städten sehr positiv gegenüber. 

Worin sehen Sie allgemein die Vorteile – für die Bauherren, für die künftigen Bewohner, für die Städte selbst?

Der modulare Wohnungsbau zeichnet sich durch ein höheres Tempo aus, das allen Beteiligten zu Gute kommt. Er ist damit ein gutes Mittel, der hohen Nachfrage nach Wohnraum gerecht zu werden. Nicht nur Bauherren, sondern auch Nachbarn profitieren von der kurzen Bauzeit. Sie erklärt sich dadurch, dass die Vorproduktion der Module in der Halle stattfindet. Das geringe Gewicht der Module macht sich außerdem gerade bei Aufstockungen positiv bemerkbar. Bestehende Quartiere lassen sich auf diese Weise in kurzer Zeit nachverdichten.

Serielles Bauen hat leider immer noch ein Imageproblem. Wie begegnen Sie als Architekten dem Vorwurf, modulares Bauen sei „Container-Architektur“ oder der „neue Plattenbau“?

Anders als diese Vorurteile suggerieren, sieht unser Konzept nicht das eine Musterhaus vor, das landauf, landab gebaut wird. Vielmehr haben wir einen Wohnungs-Baukasten konzipiert, aus dem man die unterschiedlichsten Gebäude-Typologien entwickeln kann. Auch die Fassade jedes Hauses lässt sich individuell anpassen. Die Angst vor Gleichförmigkeit ist somit aus unserer Sicht unbegründet.

Wie wichtig ist für Sie der Aspekt der Nachhaltigkeit beim seriellen Bauen? 

Nachhaltigkeit hat für uns bei jedem Projekt einen hohen Stellenwert. Der Stahlmodulbau bietet hier den Vorteil, dass sich Gebäude komplett demontieren und an anderer Stelle neu errichten lassen. Dabei kann die Beplankung bestehen bleiben, die Module lassen sich aber auch auf ganz neue Weise zusammensetzen.

Welche Kriterien machen aus Ihrer Sicht Modulbau besonders wirtschaftlich?

Der hohe Grad der Vervielfältigung trägt maßgeblich zur Wirtschaftlichkeit von Projekten bei: Durch die Herstellung der Elemente in Serie sinken die Kosten.

Was schätzen Sie an der ALHO-Stahlmodulbauweise am meisten?

Neben den Vorteilen der Leichtbauweise schätzen wir vor allem die größtmögliche Offenheit des Systems: Obwohl bestimmte Modul-Abmessungen wirtschaftlicher sind als andere, kann man viele Projekt-Parameter individuell entwickeln und bleibt somit flexibel. Damit ein Projekt gelingt, ist aber auch die Zusammenarbeit der Beteiligten entscheidend. Hier haben wir ALHO als guten Projektpartner kennengelernt.

Mit ALHO zusammen haben Sie für Vonovia die neue Wohnanlage in der Imigstraße in Dortmund realisiert. Welche Besonderheiten und Herausforderungen gab es jeweils hinsichtlich des Entwurfs, des Raumprogramms und der Vorgaben durch den Bauherrn, und wie haben Sie diese gelöst?

Eine Herausforderung bei unserem Projekt in Dortmund bestand darin, dass das Gebäude nicht unterkellert werden sollte. Diese Vorgabe haben wir umgesetzt, indem die Abstellräume in die Wohnungen integriert wurden. Außerdem ging es darum, unterschiedlichen Mieterbedürfnissen gerecht zu werden. Das haben wir durch einen breit gefächerten Wohnungsmix geschafft, der auch rollstuhlgerechten Wohnraum beinhaltet – und das aufgrund der Grundstücksabmessungen in einer sehr kompakten Hülle und zu einem wirtschaftlichen Preis.

Wie lief die Zusammenarbeit mit ALHO hinsichtlich der Planung und Bauausführung ab?

Sehr gut. Der Kontakt war sehr eng: Wir haben uns schon in einem frühen Planungsstadium wöchentlich zu einer Besprechung mit allen Projektbeteiligten getroffen. Damit konnte eine gute Bauausführung gewährleistet werden.

Welche Detaillösungen konnte ALHO beim Projekt Dortmund Imigstraße bieten?

Da fallen mir spontan die Balkone ein. Sie konnten jeweils mit einem Zwei-Stützen-System realisiert werden, wo sonst bei der Vonovia standardmäßig vier Stützen zum Einsatz kommen.

Worin unterscheiden sich Planungsabläufe für Wohnanlagen in Modulbauweise von konventionell errichteten Gebäuden? Wo profitiert der Architekt?

Anders als bei konventionell errichteten Gebäuden sind die Module vom Prinzip immer gleich aufgebaut, sodass auch die Herangehensweise an Projekte stärker standardisiert ist. Das macht einen früheren Austausch sinnvoll. In der frühen Zusammenarbeit kann man auf gegenseitige Interessen und die Vorteile der jeweiligen Systeme eingehen. Am Ende führt das zum bestmöglichen Ergebnis für alle Beteiligten. Als Architekten haben wir grundsätzlich den Anspruch, Lösungen und Details zu entwickeln, die prägend für ein Gebäude sind. Diese Möglichkeit haben wir in bestimmtem Maße auch beim Modulbau: Trotz der in weiten Teilen vorgegebenen Standardisierung müssen die Gebäude nicht ihre Einzigartigkeit verlieren – weder städtebaulich noch architektonisch. Wir nennen es gerne „Individualität in Serie“.

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