Architektur

Corporate Architecture

Moderne Architektur für ein zeitgemäßes Arbeitsumfeld

Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Facharbeitermangel und geburtenschwache Jahrgänge sind nur zwei Punkte, die dies beeinflussen. Damit Unternehmen dennoch für neue Arbeitnehmer interessant bleiben, werben sie mit einem zeitgemäßen Arbeitsumfeld. Dazu zählt auch eine attraktive Architektur, die dem Geist des Unternehmens Ausdruck verleiht, die sogenannte Corporate Architecture. Mithilfe verschiedener Baumaterialien, Farbcodierungen und individuellen Grundrissen lässt sich so das Unternehmensprofil als Corporate Architecture zum Ausdruck bringen.

Corporate Architecture bezeichnet eine Unterkategorie des Corporate Design, und somit eine Unterkategorie der Corporate Identity. Sie dient als Instrument der Markenbildung und hat das Ziel die Unternehmensphilosophie durch architektonische Zeichen zu demonstrieren.

Gebaute Markenidentität in Modulbauweise

Die Aussage- und Anziehungskraft von Architektur ist in der Geschäftswelt als „gebaute Visitenkarte“ heiß begehrt. Zu den Pionieren gehört BMW: Der „Vierzylinder“ in München von 1973 gilt als Meilenstein der Corporate Architecture. Noch 2013 hat eine Expertenkommission den glänzenden Bau des Architekten Karl Schwanzer in die Riege der 15 spektakulärsten Firmenzentralen aufgenommen. Nur zwei deutsche Gebäude stehen auf dieser Liste. Das zweite ist die Firmenzentrale von Adidas, deren Form einem Turnschuh nachempfunden ist.

„Identität stiftende Gebäude verlangen eine eindeutig definierte, anschauliche Architektur mit funktionalen Vorteilen und emotionaler Ausstrahlung“, sagte Architekt Hadi Teherani einmal im Interview mit dem ManagerMagazin über gute Corporate Architecture. Authentizität ist auch in der Architektur gefragt, Form und Inhalt – in diesem Falle Unternehmen und Gebäude – müssen zueinander passen.

Der Bilbao-Effekt

Vergleichbar mit der Corporate Architecture kann ein Gebäude auch einen starken Effekt auf eine ganze Stadt haben, indem sie gezielt durch spektakuläre Bauten von Architekten aufgewertet wird und infolgedessen Besucher das architektonische Meisterwerk bestaunen möchten. Das wiederum führt zu einem wirtschaftlichen Aufschwung der gesamten Stadt. Dieser Effekt wird auch Bilbao-Effekt genannt und eröffnet meist neue Perspektiven für die Stadtentwicklung. Der Begriff ist auf die spanische Stadt Bilbao zurückzuführen, in der im Jahr 1997 das futuristischen Guggenheim-Museum erbaut wurde.

 

Was zunächst wie ein Fremdkörper einer Stadt wirkte, entwickelte sich schnell zu einem Magnet von Besuchermassen, wodurch ein wirtschaftlicher Aufschwung für eine ganze Region in Gang gesetzt wurde. Corporate Architecture demonstriert also nicht nur die Philosophie von Unternehmen und verleiht ihnen optisch einen Charakter, sondern kann auch ein ganzes Stadtbild prägen.

 

Corporate Architecture kann Unternehmen helfen, ihre Markenidentität für potenzielle Mitarbeiter fassbarer zu machen. Denn neben zahlreichen Faktoren, die Unternehmen aktuellen oder zukünftigen Arbeitnehmern bieten, ist auch die konkrete Gestaltung des Arbeitsplatzes ausschlaggebend, sich für oder gegen einen Arbeitgeber zu entscheiden. Wird der Zukunftsorientierung eines Unternehmens beispielsweise baulich Ausdruck verliehen, ist dies ein Imagefaktor, den Unternehmen zur Gewinnung von Arbeitnehmern in die Waagschale werfen können. Die Vielfalt der architektonisch-gestalterischen Möglichkeiten, die Fertigbausystemen im privaten Hausbau inzwischen zugestanden wird, verbindet man nach wie vor selten mit einem Pendant im gewerblichen Bereich, dem Konzept der Modulbauweise. „Kreativ sein mit Kisten – wie soll das bitte schön gehen?“, lautet ein Vorurteil, mit dem der Modulbau häufig konfrontiert wird. 

„Das stimmt so keineswegs“, kommentiert Architekt Andreas Haus. „Ich habe bereits mehrfach Projekte in Modulbauweise geplant, unter anderem das neue Bürogebäude für den Kaffeeröster Darboven. Dort wurde der Kaffee zum Leitmotiv in der Gestaltung gemacht. Eine kaffeebraune Fassade und viele Details aus der Welt der Kaffeeproduktion prägen das Gebäude und lassen keinen Zweifel aufkommen, dass hier die Bohnen zu Hause sind.“

Ein weiteres gelungenes Beispiel in Modulbauweise ist das neue Verwaltungs- und Werkstattgebäude für das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln. Eine weite Auskragung des Baukörpers über dem Eingang scheint sich über die Gesetze der Schwerkraft hinwegzusetzen und ist prägendes Element des Gebäudes.

Ein anderes Ziel verfolgte die August Faller KG. Grundlage der Unternehmenspolitik ist die Nachhaltigkeit – ein Leitgedanke, dem das Unternehmen mit seinem neuen Bürogebäude am Standort Waldkirch auch baulichen Ausdruck verliehen hat. Die Verantwortlichen bei Faller entschieden sich für ein Modulgebäude und somit für ein hinsichtlich seiner Nachhaltigkeit zertifiziertes Bausystem. In Zusammenarbeit mit dem Architekten Heico F. Herz aus Emmendingen entstand ein modernes Bürogebäude, das mit seiner Holz-Putz-Fassade und dem Gründach das Umweltbewusstsein des Unternehmens repräsentiert.

Corporate Architecture im Konzern

Während Unternehmer ihren persönlichen Vorstellungen baulichen Ausdruck verleihen, unterliegt die Architektur von Konzerngebäuden oft strikten Vorgaben. Auch diese lassen sich in Modulbauweise umsetzen – wie beispielsweise bei den Büro- und Laborgebäuden der F. Hoffmann-La Roche AG in Kaiseraugst. Die vorgehängten hinterlüfteten Fassaden sind mit gedämmten Aluminiumpaneelen verkleidet. Das einheitliche Weiß der pulverlackbeschichteten Elemente wurde in Glanzgrad und Farbton von einem Farbdesigner festgelegt und ist als typisches „Roche-Weiß“ überall am Standort zu identifizieren. So passten sich auch das in Modulbauweise realisierte Gebäude B228 und das Roche Learning Center gestalterisch in die bereits etablierte, zurückhaltende und zeitlose Architektursprache der Roche-Gebäude an.

Ähnliches gilt für das Gebäude S50 der Audi AG. Dies präsentiert sich als konsequente Umsetzung der vom Konzern festgelegten Gestaltungsvorgaben: Bänder aus horizontal verlaufendem Aluminium-Wellblech wechseln sich mit den Fensterbändern ab. Diese bestehen aus Aluminiumfenstern mit anthrazitfarbenen Rahmen und Jalousetten, die in die mit ebenfalls anthrazitfarbenen Aluminium--Kassetten verkleidete Fassade integriert sind.

Für eine neugegründete Projektgruppe des Geschäftsbereichs Siemens Mobility der Siemens AG am Standort Braunschweig mussten schnellstens optimale Arbeitsbedingungen in einem neuen Bürogebäude auf dem Gelände geschaffen werden. Joachim Döring, Immobilienveranwortlicher bei der Siemens Mobility GmbH, erläutert: „Der Neubau, der direkt am Eingang zum Betriebsgelände positioniert ist, sollte einerseits zum bestehenden Gebäudeensemble passen, aber auch über eine entsprechend repräsentative Außenwirkung verfügen, um die Siemens Corporate Identity angemessen zu unterstützen.“ Die hoch wärmegedämmte, hinterlüftete Vorhangfassade aus weißen Hochdrucklaminat-Platten gibt dem Gebäude einen technischen, geradlinigen Look. Liegende, anthrazitgraue Fensterbänder, eingerahmt von weißen Fassadenelementen und die schwarz hinterlegten Horizontalfugen im Fassadenbild unterstreichen die dynamische Gebäudeform. So ist das Gebäude eine perfekte Referenz für inzwischen 170 Jahre Ingenieurskunst und Innovation, für die Siemens bekannt und berühmt ist.

Was bedeutet Corporate Architecture?

Corporate Architecture ist eine Unterkategorie von Corporate Design und ist als „gebaute Visitenkarte“ zu verstehen, die dem Geist eines Unternehmens in Form eines Bauwerks Ausdruck verleiht.

Was ist das Ziel einer Corporate Architecture?

Corporate Architecture hat das Ziel, die Unternehmensphilosophie durch architektonische Zeichen widerzuspiegeln und damit den Wiedererkennungswert und Marke eines Unternehmens zu verdeutlichen.

Bekannte Beispiele einer Corporate Architecture

Ein bekanntes Beispiel einer Corporate Architecture ist die Unternehmenszentrale von BMW in München, welche 1973 erbaut wurde. Das Gebäude hat die Form und Außenfassade eines Vierzylinders und gilt als Meilenstein der Corporate Architecture.

La Roche AG, Kaiseraugst

Siemens Mobility GmbH

Audi AG


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