Bau-Trends

Digitalisierung in Deutschland

Die smarte Cluster-Schule kommt!

Es vergeht kaum ein Tag, an dem in den Medien nicht über die Rückständigkeit des deutschen Bildungssystems im internationalen Vergleich lamentiert wird. Dennoch gibt es einen Lichtstreif am Horizont: Corona hat einen kräftigen Digitalisierungsschub an deutschen Schulen bewirkt. Das zeigt sich auch im Schulbau. Aktuell entstehen in vielen Städten Gebäude, in denen nicht nur das Raumkonzept, sondern auch die IT-Infrastruktur neueste pädagogische Konzepte unterstützen. Wie sieht sie aus, diese Schule der Zukunft?

So könnte man sich einen zeitgemäßen Unterricht vorstellen: In der Grundschule bauen und programmieren Kinder gemeinsam kleine Roboter. In der Mittelstufe komponieren sie mithilfe Künstlicher Intelligenz Musik. Und in der Oberstufe gründen sie ihr erstes Digital-Start-up. In Estland ist dieses Szenario schon seit Jahren Realität. Genauso ist in den skandinavischen Ländern das Lernen und Lehren mit digitalen Tools längst fest im Schulalltag verankert. Und jetzt scheint auch der behäbige deutsche Schulapparat endlich einen großen Schritt ins digitale Zeitalter zu machen.

Die Initialzündung sollte eigentlich bereits mit dem „DigitalPakt Schule“ im Frühjahr 2019 erfolgen: 6,5 Milliarden Euro hat der Bund für die Implementierung zeitgemäßer IT-Infrastrukturen, IT-Administration und Laptops an Schulen in die öffentlichen Töpfe gefüllt. Das Ziel: flächendeckende Breitbandversorgung und WLAN sowie Endgeräte für ausnahmslos alle Lehrer und Schüler.

Digitales Lernen soll Normalität werden in Deutschland, um Medienkompetenz und Chancengleichheit quer durch alle Einkommensschichten zu schaffen. Doch erst jetzt – nach einem schleppenden Anlauf, Klagen über bürokratische Hürden und dem pandemiebedingten Fiasko des Home-Schoolings – scheint der DigitalPakt in der Praxis anzukommen. Die Ergebnisse einer repräsentativen Digitalisierungsstudie der Universität Göttingen, die im Juni 2021 vorgestellt wurde, geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus: Während 2020 nur 27 Prozent der befragten Lehrkräfte von einer erkennbaren digitalen Schulstrategie berichteten, hat sich dieser Anteil bis März 2021 mehr als verdoppelt. Bei Computern stieg die Verfügbarkeit von 36 auf 65 Prozent – bei Endgeräten, die zum Lernen auch mit nach Hause genommen werden können, sogar von 15 auf 55 Prozent.

Lernen fürs Leben braucht IT

Grund zum Jubeln ist das noch nicht. Denn die Kluft zwischen digitalen Nachzügler- und Vorreiterschulen ist so groß, dass man von Chancengleichheit nicht sprechen kann – auch das ist ein Ergebnis der Studie. Jede zweite Schule hat kein WLAN für Schülerinnen und Schüler, 60 Prozent keine Bildungs- oder Schulcloud. Aber zumindest an den Vorreiterschulen gehören digitale Medien und Techniken inzwischen zum normalen Unterrichtsgeschehen. Wegen der starken Defizite in der digitalen Schul-Infrastruktur sind technische Ausfälle und letztlich unausgereifte Lehrabläufe jedoch auch hier noch Alltag. Und dennoch: Lehrkräfte und Schulen haben „mit bemerkenswerter Dynamik“ auf Corona reagiert und den Einsatz digitaler Unterrichtsmedien sowie digitale Lehr- und Lernkonzepte vorangetrieben.

Dieser Digitalisierungsschub zeigt sich auch beim Bau der neuen Schulen, die aktuell im Rahmen von kommunalen Schulbauoffensiven in ganz Deutschland entstehen. Wer Kindern das elementare Rüstzeug fürs moderne Leben mitgeben will, muss digitale Medien in den Schul- und Unterrichtsalltag integrieren – da ist man sich einig. In der Konsequenz geht die Grundrissplanung immer häufiger Hand in Hand mit einem maßgeschneiderten Netzwerk- und IT-Infrastrukturkonzept, das reibungsloses digitales Arbeiten mit modernsten didaktischen Methoden in den dafür vorgesehenen Räumen ermöglicht.

Von der Flurschule zum "smarten Cluster"

Kaum mehr gebaut wird die Flurschule mit „Schuhkartonklassen“ und einem Flächenansatz von 2 Quadratmeter pro Schüler. Als zukunftsweisend gilt das pädagogische Raumkonzept des Clusters, das aktuell in vielen neuen Schulen umgesetzt wird. Bei der Projektierung fällt die Entscheidung häufig für die Modulbauweise. In der Cluster-Schule sollen sich Räume und Möbel nämlich anpassen lassen an immer neue Lernsettings, didaktische Versuchsanordnungen und die Bedürfnisse von Kindern, die den ganzen Tag in der Schule verbringen. Deshalb ist der Modulbau für die Cluster-Schule geradezu prädestiniert.

Vorbildcharakter soll hier die inklusive Berswordt-Europa-Grundschule Dortmund haben. ALHO arbeitet bei diesem Projekt mit einem auf Schulen spezialisierten Kölner Architekturbüro zusammen. Elementarer Bestandteil des Konzepts ist ein behagliches Ambiente mit viel Licht, natürlichen Materialien und warmen Farben, denn nur wer sich wohlfühlt, ist motiviert zu lernen. Großflächige Verglasungen schaffen weite Sichtachsen sorgen für lichtdurchflutete Räume, Offenheit und Transparenz und stärken so stärken das Gemeinschaftsgefühl. Im Erdgeschoss sind ein Forum, eine Mensa und ein schön gestalteter Gemeinschaftsbereich über einen atriumartigen Innenhof mit vertikaler Begrünung verbunden.

In den oberen Geschossen erstrecken sich dann die typischen Cluster, eines pro Staffeletage: Um einen erweiterten Flur – den „Marktplatz“ – sind zwei bis sechs Unterrichtsräume, ein „Differenzierungsraum“ und Gruppenräume angeordnet sowie eine Teamstation für die Lehrer mit Arbeitsplätzen und Kopierstation. Der „Marktplatz“ kann für Teilungsunterricht, Einzel- oder Gruppenarbeiten genutzt werden, aber auch zum Ausruhen und Spielen. Die pädagogische Idee dahinter: Lernsettings und -methoden sollen sich an die Schüler anpassen, nicht umgekehrt. Für jedes Kind soll das passende Lernumfeld geschaffen werden, so dass es sein Potenzial bestmöglich abrufen kann. Zudem werden die Grundrisse den Anforderungen der Inklusion gerecht – der Integration von Kindern mit Förderbedarf. Sie bieten Überschaubarkeit sowie zusätzliche Fläche für Bewegung, Rückzug und „temporäre Differenzierung“, also Förderunterricht.

Aber erst im Zusammenspiel der Architektur mit der digitalen Infrastruktur kann der Lehranspruch der Schule seine Wirkung entfalten. So werden zunächst flächendeckendes WLAN und ein IT-Netzwerk in Form einer umfassenden Gebäudeverkabelung implementiert. Die Feinjustierung wurde schon in der Projektierungsphase präzise mit dem Bauträger und dem Unterrichtskonzept der Schule abgestimmt: In welchen Räumen sollen Beamer, Whiteboards, Dokumentenkameras, Audiosysteme zum Einsatz kommen? Sollen die Kinder Notebooks, Tablets und Smartphones nutzen können? Wie muss der Lehrerplatz ausgestattet sein? Wo und wie werden akkubetriebene Endgeräte aufgeladen? Welche WLAN-Netzwerke sollen in welchen Räumen verfügbar sein? Die entsprechenden Vorrüstungen werden auf Basis der erstellten IT-Landschaft bereits im Werk in die Module integriert.

Gut vorbereitet auf die Zukunft

Zu beobachten ist, dass Modulbauten bis vor kurzem meist nur als Interimslösungen und „Container“ wahrgenommen wurden, sich inzwischen im Schulbau aber als gleichwertige Alternative zur konventionellen Bauweise etabliert haben. Ein Grund liegt neben ihrer Zeit- und Kosteneffizienz sicherlich auch darin, dass mittlerweile eine hohe gestalterische Vielfalt und Qualität möglich ist. Die größte Stärke der Modulbauweise im Schulbau aber ist und bleibt ihre Wandelbarkeit. Sowohl Räume als auch technische Ausrüstung sind beliebig und einfach modifizierbar – je nachdem wie sich pädagogische Konzepte, Schülerzahlen und Technologien entwickeln. So wird Modulbau zu einem probaten Element der Digitalisierungsstrategie, um deutsche Schulen und die nächsten Generationen für die Herausforderungen des digitalen Zeitalters fit zu machen.

Die TGA im Modulbau kann mit den kommenden Generationen und ihren Lernmodi mitwachsen.

Axel Ansorge, Leiter TGA Elektro, ALHO Group Services

Geht es voran mit der Digitalisierung der deutschen Schulen, Herr Ansorge?

Ich würde sagen, ja. Im Rahmen städtischer Digitalisierungsoffensiven setzt ALHO derzeit sieben Schulen in Köln um und drei in Berlin. Zudem dürfen wir mit dem Max-Planck-Gymnasium und mit der Berswordt-Europa-Grundschule in Dortmund zwei Projekte realisieren, die weit über dem digitalen Standard liegen.

 

Ist es für Träger schwer zu kommunizieren, was sie an IT-Infrastruktur benötigen?

Es reicht, wenn sie wissen, in welchem Maß die Schüler mit Tablets arbeiten sollen, ob es ein Intranet geben soll, welche E-Learning-Plattformen sie verwenden wollen etc. pp. Oft sind die Wünsche da schon ziemlich konkret, dann können wir zügig in die Umsetzung gehen. In anderen Fällen wird eine Beratungsphase vorgeschaltet, in der man Schritt für Schritt den individuellen Bedarf eruiert. Der Kunde soll ja auch wirklich die Gebäudeausrüstung bekommen, mit der er seine Vorstellungen von einem zeitgemäßen Unterricht umsetzen kann.

 

Was ist bei der technischen Gebäudeausrüstung neuer Schulen zu beachten?

Ganz wichtig ist es, die Technik immer im Gesamtpaket zu sehen. Neben der IT spielen auch andere technische Faktoren eine Rolle, um gutes Lernen zu gewährleisten. Etwa ein Sonnen- und Blendschutz, der wie eine Sonnenbrille wirkt. Ohne ihn könnten viele Schüler die Texte auf dem Whiteboard gar nicht lesen. Beim Sichtwechsel zwischen den stark beleuchteten Bereichen und Schatten werden die Augen zudem schnell überanstrengt. Das macht schnell müde. Ein anderes Beispiel ist die Lüftung. Frische Luft ist heutzutage nicht mehr nur für die Konzentration wichtig. Da reicht es nicht mehr, ab und zu die Fenster aufzureißen. Eine Lüftungsautomatik, deren Einbau wir bei unseren Schulprojekten empfehlen, misst mit CO2-Sensoren die Luftqualität im Raum und schaltet sich bei Bedarf ein. Meiner Meinung nach ein absolutes Muss nicht nur für ein angenehmes Raumklima, sondern auch für eine ausreichende Hygiene.

 

Was fasziniert Sie als TGA-Planer besonders am Schulbau?

Dass es gerade in diesem Bereich so wichtig ist, dass Haustechnik und IT mithalten können mit neuen Entwicklungen und Trends. Die TGA im Modulbau hat die nötige Flexibilität, um mit den kommenden Generationen und ihren Lernmodi quasi „mitzuwachsen“. Damit besitzt sie durchaus eine gewisse gesellschaftliche Relevanz, und das ist natürlich eine schöne Sache.

 


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