Bauwissen

Neue Wege gehen

Erstes IPA-Projekt für ALHO

Einen Großteil der Aufträge erhält ALHO durch die öffentliche Hand, die Teilnahme an Ausschreibungen ist daher Tagesgeschäft. Bei regulären Ausschreibungen wird in der Regel aufwändig kalkuliert, denn der Preis ist meist das einzige und entscheidende Wertungskriterium – dieser muss folglich sitzen. Ist er zu hoch, gibt es in der Regel keine Chance mehr auf einen Zuschlag der Vergabestelle.

 

Beim Erstellen des Leistungsverzeichnisses für die Ausschreibung sind kommunale Bauherren oft auf sich allein gestellt und überfordert. Das Ergebnis sind ungenaue Ausschreibungen, so dass bei den Submissionen Äpfel mit Birnen verglichen werden – unbefriedigende Ergebnisse für Bauherren und Auftragnehmer mit Kosten- und Terminüberschreitungen sowie Mängeln sind so leider häufig vorprogrammiert.

IPA – ein Modell für öffentliche Bauvorhaben und Großprojekte

Um all diese Probleme zu reduzieren oder gar nicht erst entstehen zu lassen, können öffentliche Auftraggeber Bauprojekte jetzt nach einem neuartigen Vertragsmodell umsetzen: der Integrierten Projektabwicklung (IPA) mit Mehrparteienverträgen. Nach diesem Modell arbeitet ALHO erstmals mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Direktion Erfurt) sowie der Geschäftsstelle für Großprojekte des Bundes am Neubau des Bürogebäudes für Informationstechnikzentrum des Bundes (ITZBund) zusammen.

 

Doch wie funktioniert IPA eigentlich genau?

Auswahl der Partner nach Eignung, nicht nach Preis

Am Anfang eines IPA-Projektes stehen lediglich eine Bedarfsermittlung und gegebenenfalls erste Vorplanungen. Es wird dann nach geeigneten Partnern für die Planung und Ausführung gesucht. Es kann also nicht nach Preis gewertet werden, sondern es zählen neben der fachlichen Qualifikation des Schlüsselpersonals insbesondere dessen IPA-spezifische Fähigkeiten: Kommunikationsfähigkeit, Motivation und Zielorientierung, Führungsqualitäten, Problem- und Konfliktlösungskompetenz, Verbesserungsbereitschaft und Lernfähigkeit sowie Teamdynamik und Teamfähigkeit.

Ein Vertrag für alle Projektbeteiligten

Im Gegensatz zur konventionellen Abwicklung mit Einzelvergaben an Planer und Bauunternehmen schließt der Auftraggeber bei der IPA zu Beginn des Projekts einen sogenannten Mehrparteienvertrag mit allen Projektbeteiligten. So soll sichergestellt werden, dass sich alle Vertragspartner auf dieselben Projektziele einschwören und die Ausführenden ihre besondere Kompetenz für das Projekt bereits frühzeitig in die Planung einfließen lassen.

Das Projekt startet mit einer Validierungsphase, in der die Projektziele des Bauherrn überprüft werden. Auf dieser Basis kalkuliert jeder Partner die Selbstkosten für seine Leistung am Projekt. Die Selbstkosten aller Partner zusammen ergeben dann die Basiszielkosten für das Projekt. Sollte sich herausstellen, dass die Zielkosten nicht zum Budget des Bauherrn passen, müssen entweder die Ziele des Bauherrn oder das Budget angepasst werden. Im äußersten Fall kann der Bauherr das Projekt in diesem frühen Stadium stoppen.

Klare Abgrenzung von Leistungen und Pflichten

Bei IPA-Projekten arbeiten die Projektbeteiligten auf Augenhöhe Hand in Hand. So ist beispielsweise die Leistung von ALHO grundsätzlich die Bauausführung, darüber hinaus besteht allerdings die Pflicht, im Planungsprozess so mitzuwirken, dass die Bauaufgabe anschließend erfolgreich geleistet werden kann.

Daraus ergibt sich, dass Personalkapazitäten nicht nur dem Auftraggeber, sondern auch den übrigen Projektbeteiligten zur Verfügung gestellt werden. Für die Praxis bedeutet dies, dass externe Planer mit modulbauspezifischem Wissen durch die ALHO-eigene Fachplanung unterstützt werden. Alle Beteiligten verpflichten sich somit zur Kooperation, Transparenz und Treue hinsichtlich der Projektziele.

Abrechnung der projektbezogen tatsächlich anfallenden Selbstkosten

Das Vergütungsmodell sieht vor, dass alle Projektbeteiligten die von ihnen konkret erbrachten Leistungen mit entsprechenden Nachweisen regelmäßig - z.B. monatlich - in Rechnung stellen. Gedeckelt ist das Budget, das von allen Partnern insgesamt abgerechnet werden kann, zum einen durch die in der Validierungsphase ermittelten Basiszielkosten und zum anderen durch ein gemeinsam gebildetes Risikobudget. Übersteigen die tatsächlichen Kosten die Basiszielkosten zuzüglich des Risikobudgets, werden Leistungen zwar vergütet – der Gewinn jedoch nach und nach aufgezehrt. Die abrechenbaren Kosten werden grundsätzlich erstattet.

So soll ein Anreiz dafür geschaffen werden, gemeinsam so effizient wie möglich zu arbeiten, die Kosten so gering wie möglich zu halten und darauf zu achten, dass die anderen Projektbeteiligten dieses Ziel ebenfalls verfolgen.

Risikobudget und Boni

Bauprojekte weisen in der Praxis immer wieder Risiken auf, die zu Mehrkosten führen können. Bei der IPA wird von allen Vertragsparteien gemeinsam ein projektspezifisches Risikobudget gebildet. Dieses wird im Rahmen der Validierungsphase auf Basis von Erfahrungswerten der Beteiligten ermittelt.

 

Fallen die tatsächlichen Selbstkosten geringer aus als die Basiszielkosten, und wird das Risikobudget nicht ausgeschöpft, wandern diese Einsparungen in einen Topf und werden als Bonus anteilig an alle Mehrvertragsparteien ausgeschüttet. So wird ein Anreiz geschaffen, möglichst effizient zusammen zu arbeiten, Risiken zu vermeiden oder zumindest deren Kosten zu minimieren.

Gemeinsam statt „VOB Schützengraben“

Ein wichtiger Anreiz bei der Realisierung von IPA-Projekten ist es, dass alle Projektbeteiligten an einem Strang ziehen und sich gegenseitig unterstützen. Dies schafft unter anderem auch eine positive Fehlerkultur, bei der es darum geht, die Folgen von Fehlern gemeinsam abzufedern. Dies wird einerseits durch das Vergütungsmodell gefördert, zum anderen durch einen möglichst weitgehenden Haftungsausschluss der IPA-Partner untereinander. So soll offen und konstruktiv mit Fehlern umgegangen und Entscheidungen immer im Sinne des Projekts und nicht zur eigenen Haftungsvermeidung getroffen werden.

Managementstruktur im IPA-Projekt
Wer entscheidet was?

Wie bei jedem Bauprojekt sind auch an IPA-Projekten mehrere Unternehmen und somit Hunderte von Menschen beteiligt. Doch nicht alle Beteiligten gehören zum IPA-Team. Die Managementstruktur eines typischen IPA-Projekts besteht in der Regel aus den drei nachfolgend genannten Gruppen und den damit verbundenen Verantwortlichkeiten.

SENIOR MANAGEMENT TEAM (SMT)

Das SMT besteht aus den Geschäftsführern der IPA-Partner. Es dient als Vermittler in strittigen Punkten, die nicht allein im PMT gelöst werden können, und entscheidet nach dem Konsensprinzip.

PROJEKT-MANAGEMENT-TEAM (PMT)

Das PMT ist besteht aus den Projektleitern der Partner und ist für die operative Steuerung des Projektes zuständig. Es trifft alle Entscheidungen nach dem Konsensprinzip - ist einmal kein Konsens möglich, werden die Themen ans SMT weitergleitet. 

PROJEKT-IMPLEMENTIERUNGS-TEAMS (PIT)

Auf der Arbeitsebene werden zu definierten Leistungsbereichen multidisziplinäre Experten-Teams gebildet, die aus Vertretern des PMT sowie aus Spezialisten von Bauherr, Architekt, Auftragnehmer, Nachunternehmer oder Lieferanten bestehen. Zu den üblichen Themen der PITs gehören beispielsweise die Tragwerksplanung, Haustechnik, Elektrik und Fassade. Die konkrete Anzahl der benötigten PITs wird vom PMT festgelegt. Auch in den PITs herrscht das Konsensprinzip.

Lean-Management, BIM & Co.

Eine so kooperative Projektabwicklungsmethode wie IPA erfordert kollaborative Werkzeuge des Projektmanagements. Für schlankere Prozesse erhalten Lean-Management-Methoden bereits in der Planungsphase, aber auch während der Ausführung eine hohe Bedeutung. Ein transparenter Datenaustausch über BIM ist dabei der Regelfall. Hier dient das erste ALHO IPA-Projekt auch dazu, dass im Pilotprojekt die Instrumente im Projektmanagement und -controlling weiterentwickelt werden und diese den Kollegen für die tagtägliche Projektarbeit zur Verfügung gestellt werden.

Fazit

IPA ist eine neue Möglichkeit für Auftraggeber, Projekte ergebnisorientiert und auf Augenhöhe mit kompetenten Partnern zu realisieren. Für ALHO ist es eine Chance, sich im Wettbewerb einen Vorsprung zu erarbeiten und mit Kompetenz, statt niedrigen Preisen Aufträge zu gewinnen.

Sie haben Fragen zum IPA-Projektablauf?

Ich stehe Ihnen gerne zur Verfügung!

Ihr ALHO Ansprechpartner

Aaron Weber

Projektleiter

Telefon: +49(2294)696-6976 E-Mail: aaron.webernoSpam@alho.com

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